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Reisen mit Sinnen
20.04.2026

Missão Dimix - It's possible

Vorstellung des Kinder- und Umwelthilfsprojekts auf São To

Man könnte auf seiner São-Tomé-Reise leicht dran vorbeifahren an der Kinder- und Umwelthilfsorganisation Missão Dimix. Auf dem Weg von der Hauptstadt in den Süden liegt ihr langgezogenes, braungestrichenes Hauptquartier kurz vor der Tanke in Santana links an der Straße. Der Slogan der Missão Dimix - “It’s possible” - ist gut gewählt. Seit 2017 ist die Nichtregierungsorganisation in São Tomé aktiv. Es geht um „cooperação“, die „Kooperation“, von der man überall auf den Inseln hört, die aber leider auch gern in Bürokratiedschungel, Eigeninteresse und Vetternwirtschaft versandet. Hier im Küstenort Santana, wo „die Mutter Meer“ so nah ist, wird aktiv, konkret und transparent Entwicklungsarbeit geleistet: spielerische kreative Erziehung durch Kunst, mit Kindern und jungen Menschen, insbesondere aus Familien ohne Familienvorstand. Knapp hundert Kinder und Jugendliche kommen hier unter der Woche täglich in die Nachschulbetreuung und entdecken spielerisch den Umweltschutz. Bei unserem Besuch ist der liebevoll dekorierte Leseraum voller konzentrierter Kinder; ein Mädchen läuft spontan auf uns zu und umarmt uns – in São Tomé gibt es noch viel Urvertrauen, und hier haben sie einen Safe Space. 

Man schaut in einen Raum, in dem hintereinander drei große, gelbe Tische stehen. An den Tischen sitzen junge Afrikanerinnen und lesen. An der linken Wand steht ein großes Bücherregal.
Ziel der Missão Dimix ist, die Kraft der Bildung zu nutzen, ...
An einem gelben Tisch sitzen drei afrikanische Jungen vor weißen Nähmaschinen. Ein afrikanischer Mann steht neben ihnen und redet mit ihnen.
um Talent zu potenzieren - © Sónia Pessoa / Denilson da Graça

Kopf und Herz des Projekts ist die junge portugiesische Modedesignerin Sónia Pessoa - ihre Marke heißt Ursotigre: „Bärentiger“. Hinter Sonias schlanker Figur in bunten Klamotten, Rastazöpfchen und strahlendem Lächeln verbirgt sich ein Powerhouse an Kreativität und Engagement. Zusammen mit ihrer Santomenser rechten Hand Denilson da Graça ist ihr Ziel, „die Kraft der Bildung zu nutzen, um Talent zu potenzieren, hier in der Gegenwart die Basis für die Zukunft zu schaffen, Sinn und Respekt für die Umwelt zu wecken.“ Und die ganze Community soll profitieren.

Eine Anordnung von vier Fotos im Quadrat, auf denen ein großer weißer Müllsack umringt von afrikanischen Kindern in einem Innenraum zu sehen ist.
Unbürokratische Annahme von Plastikmüll

Wo das jetzt für uns als Reisende interessant wird (nicht nur als Toiletten-Stopp, wobei das auch praktisch ist in einem Land, wo die Hälfte der Bevölkerung keinen Zugang zu sanitären Anlagen hat): Die Missão Dimix ist der einzige Ort auf der ganzen Insel, wo man unbürokratisch Plastik zum Recyceln abgeben kann. Das globale Müllproblem hat auch unsere paradiesischen Inseln erreicht, an manchen Stränden und an den Rändern der Plantagen. São Tomé und Príncipe mag das einzige Land der Welt sein, dessen Gesamtfläche von gut 1.000 Quadratkilometern seit 2026 als UNESCO-Biosphäre ausgewiesen ist, aber das Thema ist akut. So organisiert die Missão Dimix auch Müllsammelaktionen am Strand. Selbst sammle ich jetzt auch an meinem Lieblingsstrand Praia Sete Ondas südlich von Santana mit den Jungs, die sich immer dort tummeln, und Gästen Plastikmüll ein. Dazu gibt es immer eine kleine Gratis-Englisch-Session, wo wir mit Hölzchen ein paar einfache englische Sätze in den Sand schreiben. Und auf dem Rückweg Richtung Flughafen geben wir unseren gesammelten Plastikmüll in Santana ab. Sollte grad Wochenende sein, werfen wir galant (nach Ankündigung) eine Riesentasche mit Plastik über die Mauer. Der Inhalt wird dann je nach Plastiktyp und Farbe sortiert, gesäubert, zerkleinert und zu Seifen- und Obstschalen, Kämmen, Untersetzern und Spielzeug verarbeitet.

Eine Finanzierungsquelle für das Projekt ist der Laden im Erdgeschoss, wo diese Objekte sowie schöne bunte Schürzen und Taschen verkauft werden. Die Stoffobjekte werden oben im Nähatelier hergestellt. Die große offene Bibliothek hat erstaunlich gemütliche Sitzmöbel, dafür, dass sie aus stoffbezogenen PET-Flaschen bestehen! Der Computerraum gegenüber ist mit gespendeten Macs bestückt.

Links im Bild sitzt ein afrikanisches Mädchen und liest in einem Buch. Rechts neben ihr steht eine Frau und beobachtet sie dabei. Die rechte Wand wird von einem Bücherregal eingenommen.
Bildungsarbeit in der gemütlichen Bibliothek und an den
Man sieht eine Reihe von afrikanischen Jugendlichen von hinten, die auf einer Bank sitzen und auf Computerbildschirme vor ihnen auf einem langen Tisch schauen.
gespendeten Computern - © Sónia Pessoa / Denilson da Graça

Zum Abschied setzen wir uns kurz auf eine Paletten-Sitzecke im Hof, unter Deko-Strängen aus gezwirbelten Plastikstreifen. Unter einer Plane enthüllt Sónia große, graue Baublöcke aus einem Plastik-Geröll-Gemisch, ein aktuelles Experiment. Sie spricht nicht gern von den Opfern, die sie gebracht hat, um die Missão Dimix aufzubauen, aber wenn man sie bittet, ihre Philosophie zusammenzufassen, schimmert es etwas durch: „Ich glaube, dass eine Kindheit mit Liebe und der Entdeckung der Talente der Kinder in der Freizeit schon der halbe Weg dahin ist, einen glücklichen Menschen zu schaffen. Ich liebe die Natur, ich habe mein früheres Leben zurückgelassen und mich ganz dieser Mission verschrieben; das ist jetzt mein Leben.“

 

Die Vorstellung der Missão Dimix stammt von unserer versierten São-Tomé-Reiseleiterin Kathleen Becker, die sich von dem Projekt zum eigenen Müllsammeln inspirieren ließ.

 

Auch REISEN MIT SINNEN findet das Projekt unterstützenswert und wir planen, es 2027 in verschiedene São-Tomé-Reisen aufzunehmen.

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