Kapverden-Individualreise:

Brava – Fogo – Santiago intensiv

Abseits der Touristenpfade – Eine vierwöchige Individualreise auf den Kapverden. Unsere Reisegäste teilen ihre Erinnerungen an spektakuläre Wanderungen, Live-Musik und intensive Begegnungen, die sie nicht so schnell vergessen werden.

Wie soll man einen Reisebericht über vier Wochen Kapverden schreiben? Weder werden wir uns nur auf die Highlights beschränken noch unser Reisetagebuch abdrucken. Wir beschreiben einige persönliche Erlebnisse jenseits der Reiseführer. Aus unseren groben Plänen, auf welchen Inseln wir wieviel Zeit verbringen wollen, hat REISEN MIT SINNEN einen Programmvorschlag erstellt, den wir dann auf unsere Wünsche hin angepasst und verändert haben.

Kurz zum Reiseverlauf:

Wir sind mit TAP Portugal von Frankfurt über Lissabon nach Praia geflogen, einen Tag später als geplant, wegen eines Streiks bei der TAP. Nach einer kurzen Nacht ging es weiter nach Fogo, wo wir einen Tag in der Pension Tortuga verbracht haben. Den Tag in São Felipe haben wir genutzt, um T-Shirts und Ladekabel zu beschaffen, da eines der Gepäckstücke in Lissabon hängengeblieben war. Danach standen vier Tage Brava auf dem Programm, gefolgt von Fogo: vier Tage Chã das Caldeiras, Abstieg nach Mosteiros und nochmal zwei Nächte in der Pension Tortuga. Anschließend auf Santiago haben wir es etwas ruhiger angehen lassen: sieben Tage in Rui Vaz in der Quinta da Montanha, und dann die letzten sechs Tage in der King Fisher Lodge in Tarrafal.

Brava

In Nova Sintra hatten wir das Vergnügen, direkt am ersten Abend ein Open-Air-Konzert im Rahmen des Festivals „Sete Sóis Sete Luas“ zu erleben. Es gab Party-Stimmung, Gegrilltes und ordentlich Musik. Eine der Bands war uns schon beim Inlandsflug und auf der Fähre über den Weg gelaufen. Überhaupt haben wir auf den Inseln immer wieder Live-Musik miterleben dürfen.

Zum Wandern eignet sich Brava natürlich auch, insbesondere die Tour von Nova Sintra nach Fajã de Água (Hinweg über Cruz de Fajã, Rückweg über Lavadura). Unten am Meer, kurz vor den Ruinen des Flughafens, kann man wunderbar in den Meerwasserpools baden - was wir auch ausgiebig getan haben. Der Rückweg am gleichen Tag ist dann schon anstrengend aber wir wurden durch wundervolles Licht beim Blick auf Lavadura belohnt. Und, was uns besonders gefallen hat: Wir waren die einzigen Touristen. Ein paar einheimische Hirten haben uns in Lavadura den richtigen Weg gewiesen (hier ist der Rother Wanderführer etwas unklar), aber darüber hinaus haben wir nur in Fajã de Água andere Menschen getroffen.

Beim Fontainhas hatten wir kein Glück: dieser höchste Inselgipfel hat sich meist in den Wolken versteckt, insbesondere der Blick nach Fogo blieb uns komplett verwehrt. Erst knapp zwei Wochen später haben wir dann von Fogo aus die komplette Insel Brava auch ohne Wolken gesehen — nach Auskunft von Einheimischen ein äußerst seltenes Ereignis.

Fogo

Zurück auf Fogo haben wir dann erstmal das fehlende und inzwischen eingetroffene Gepäckstück am Flughafen abgeholt — mit der Hilfe des Fahrers, der uns dabei durch die Bürokratie gelotst hat. Und überhaupt: Die lokalen Partner von REISEN MIT SINNEN (Vista Verde) haben wertvolle Hilfe geleistet durch die vielen Telefonate mit TAP, bis das Gepäck wieder vollzählig war.

Vom Flughafen ging es ohne weitere Umschweife in die Chã das Caldeiras, wo uns der Fahrer am Einstieg der Wanderung zum Pico Pequeno abgesetzt hat, bevor er unser Gepäck in die Pousada Pedra Brabo brachte. Der „kleine Pico“ besticht durch seine Schwefel-geprägten Farben, die Gelb- und Rottöne inmitten der tiefschwarzen Lapilli. Die anschließende Wanderung durch die Lavafelder von 1995 zum Fuß der Bordeira lässt das Herz eines jeden „Steine-Fans“ höher schlagen. Die Wanderung auf den Pico de Fogo werden wir nicht beschreiben. Nicht weil sie es nicht wert wäre, aber dazu wurde schon genug geschrieben. Einziger Tipp: beim Abstieg die Hosenbeine über den Schuhen zubinden.

Darüber hinaus hängengeblieben sind der unglaubliche Sternenhimmel und die Live-Musik bei Ramiro in der Bar. Ebenfalls empfehlenswert ist ein Besuch der Lavahöhlen (eine Halbtagestour) und auch ein Aufstieg auf den Monte Amarelo (unbedingt mit Führer, auch eine Halbtagestour).

Leider wissen wir nicht, welche dieser Touren überhaupt noch möglich sein werden, und wann. Der Vulkanausbruch im November und Dezember fand knapp zwei Wochen nach unserem Aufenthalt in der Chã das Caldeiras statt. Er begann, als wir auf Santiago in Tarrafal waren. Später zu Hause haben wir beim Betrachten der Bilder und Videos im Internet regelmäßig eine Gänsehaut bekommen wegen der Zerstörung an Gebäuden und landwirtschaftlichen Flächen.

Der Abstieg über Monte Velha nach Mosteiros führte aus der Mondlandschaft der Chã das Caldeiras fast ohne Übergang in einen - im Vergleich - tropisch anmutenden Wald und auf die unglaublich grüne und fruchtbare Seite der Insel. Dieser Abstieg war bei weitem anstrengender als der vom Pico de Fogo. In Mosteiros gibt es auch einen winzigen Sandstrand mit Bar: wohltuend für die Füße und die Seele. In der Pension Christine genossen wir das reichhaltige kapverdische Essen.

Gerade für solche Touren ist es äußerst angenehm, wenn für das „große“ Gepäck gesorgt wird. Dieses war bereits auf dem direkten Weg von Portela nach São Felipe, während wir nur mit dem Tagesrucksack abgestiegen und dann am nächsten Tag (mit lohnendem Zwischenstopp in Ponta da Salina) zurück nach São Felipe gereist sind. Aber auch diese spontanen „Transfers“ gehören für uns zum Urlaub dazu, denn so kann man die Leute im Land kennenlernen.

So wurden wir, während wir auf ein Aluguer (= Sammeltaxi) warteten, von zwei Exil-Kapverdianern mitgenommen. Der jüngere der beiden (70 Jahre alt) zeigte dem älteren (86 Jahre alt) die Insel, die dieser seit seinem 13. Lebensjahr nicht mehr gesehen hatte. Allein diese Inseltour enthielt anhand der beiden Familiengeschichten mehr als das, was ein dicker Reiseführer über Kolonialzeit, Emigration, Hungersnöte und Unabhängigkeit schreibt.

Die zwei entspannenden Tage in der Pension Tortuga waren nach den Erlebnissen und Anstrengungen in der Chã das Caldeiras genau richtig: Sonne & Meer, phantastische Fisch-Spezialitäten und ein wolkenfreier Blick auf Brava.

Santiago

Obwohl wir vor 2½ Jahren bereits São Vicente, Santo Antão und Sal besucht hatten, hat es Santiago geschafft, uns nochmal mit neuen Eindrücken zu überraschen. Die stärksten Kontraste der Insel haben wir erlebt, als wir von Rui Vaz aus nach Cidade Velha gewandert sind. Tief eingeschnittene Täler, karge und einsame Savannenlandschaften, Eisvögel an jeder Ecke. Arme Dörfer, in denen aber auch noble Emigrantenvillen stehen. Schweine und Rinder, die auf der Straße leben, Müllhalden direkt neben den Häusern, und dann eine Oase mit Bananen, Palmen, Papayas und Zuckerrohr, kurz vor dem Bilderbuchort Cidade Velha. Den Rückweg nach Rui Vaz haben wir mit dem Aluguer bewältigt. Zunächst ging es zum Sucupira, dem quirligen afrikanischen Markt in Praia, von wo aus wir noch einen Spaziergang auf das Plateau gemacht haben. Unten auf dem Markt: lebendiges Chaos, Stimmen- und Sprachengewirr, Gerüche aus den Straßenküchen. Oben auf der Flaniermeile: feine Cafés und Bars, Vorbereitungen für eine Messe zu erneuerbaren Energien und eine lange Schlange vor der US-Botschaft. Die Weiterfahrt mit dem nächsten Aluguer bedeutete erstmal eine halbe Stunde „Stadtrundfahrt“, bis das Aluguer voll war. Wirklich voll, d.h. auf jeder Bank mindestens vier Leute, Reisen hautnah. Zusätzlich zum Gepäck: Schüsseln mit Fisch unter dem Sitz, ein lebendes Huhn in der Plastiktüte auf dem Schoß. Da dann das letzte „echte“ Aluguer von São Domingos nach Rui Vaz schon weg war, haben einige Einheimische einen Baustellen-LKW bequatscht, der uns dann alle auf der Ladefläche mit in die Berge genommen hat. Noch mehr Gegensätze hätte der Tag kaum bieten können.

Wir haben auch eine Tagestour (wieder mit dem Aluguer) nach Pedra Badejo unternommen. Diesen Ort zeichnet zunächst einmal aus, dass er touristisch nicht viel zu bieten hat. Der Strand ist schön, mit Blick auf Maio, vergleichsweise weitläufig für diese Insel. Wir waren die einzigen Touristen, lediglich für eine Stunde umlagert von halbwüchsigen Jungs, die Geld für die Schule haben wollten. Die aber schnell verschwanden, als in der Schule Mittagspause war und Schüler wie Lehrer über den Strand nach Hause gingen. Auch im Ort selbst: einfach nur normales Leben, ohne Tourismus. Dennoch sehenswert, alleine schon wegen der Oase von Achada Fazenda. Man konnte glauben, hier werde das gesamte Obst und Gemüse für Santiago produziert. Abgesehen natürlich von Erdbeeren, die Lindorfo, Besitzer der Quinta da Montanha und studierter Landwirt selbst anbaut.

Die Wanderung durch den fast tropischen Dschungel des Gom-Gom-Tales, beginnend in der Serra Malagueta, hat auch ihre schwierigen Stellen im Abstieg, ein Guide (den wir hier nicht hatten) ist durchaus zu empfehlen. Dennoch ist dies sicher die beeindruckendeste Landschaft auf dieser Insel, ganz knapp nach dem Blick, den man vom Pico da Antónia aus genießen kann. Der Abschluss der Reise in Tarrafal war genau richtig. Die Bucht bei der King Fisher Lodge lädt zum Schnorcheln ein, riesige Fischschwärme lassen sich ebenso bewundern wie einzelne farbenprächtige Exemplare. Ein Vergleich mit dem in der Lodge verfügbaren Fischführer ergab ein Dutzend gesichteter Fischarten. Aber auch der Ort selbst mit seinem Markt und mit dem zum Entspannen einladenden weißen Sandstrand lohnt für ein paar Tage.

Großen Dank an Frau Domianello und Herrn Dr. Wosnitza für das Feedback und den ausführlichen Reisebericht!


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