"Natur ist der Grund, warum wir reisen."

Wissenschaftsjournalist Dirk Steffens über Flugscham und Umweltbewusstsein

Dirk Steffens und ein Bonobo-Affe im Dschungel.

Lassen sich Tourismus und Nachhaltigkeit miteinander in Einklang bringen? Muss man auf das Fliegen verzichten, um nachhaltig und umweltverträglich zu leben? Im Zuge unserer Partnerschaft mit der Biodiversity Foundation haben wir den Wissenschaftsjournalisten Dirk Steffens gefragt, was er über Flugscham denkt und wie man als Reisender Umweltschutz mit dem Fliegen vereinbaren kann.

REISEN MIT SINNEN: Du bist Umweltschützer und Vielflieger. Ist das nicht ein Widerspruch?

Dirk Steffens: Natürlich ist das ein Widerspruch – so wie vieles im Leben. Alles was wir tun, unsere schiere Existenz, verbraucht Ressourcen und hinterläßt auf der Erde Spuren. Aber wir können versuchen, den Schaden, den wir anrichten, zu minimieren oder wenigstens zu reparieren. Also beim Reisen wenn möglich auf Flüge zu verzichten oder, zweitbeste Lösung, Flüge durch Klima-Spenden zu kompensieren. So mache ich es. Die ökologischen Folgen meiner Fliegerei sind mir natürlich bewusst, aber aus Flugscham die Produktion von Naturfilmen einzustellen, macht ja auch keinen Sinn.

REISEN MIT SINNEN: Beruflich fliegen ist das eine, eine Urlaubsreise das andere…

Dirk Steffens: Klar, aber wenn ich mir eine Welt ohne Reisende vorstelle, gefällt mir die auch nicht besser als die jetzige. Eine Welt, in der niemand mehr seinen Kulturkreis verlässt, neue Naturerfahrungen macht und die Wunder der Erde selbst erspüren kann? Das kann sich doch kein vernünftiger Mensch wünschen.  Alles was wir im internationalen Naturschutz bisher erreicht haben, wäre ohne persönliche Kontakte über alle Grenzen hinweg gar nicht möglich gewesen. Mal ganz abgesehen davon, dass der Tourismus auch ganz konkret dabei hilft, die Natur in Wert zu setzen. Strandurlauber wollen sauberes Wasser, Wanderer intakte Landschaften, Natur-Reisende wilde Tiere in ihrer natürlichen Umgebung. Also liegt es im Interesse von Regierungen, Wirtschaftsverbänden und Unternehmen der Branche, die wirtschaftlichen Grundlagen ihres Geschäftes zu erhalten. Einige Tourismus-Anbieter haben das zwar immer noch nicht verstanden, aber bei denen würde ich auch keine Reise buchen. Viele Naturschutzgebiete, egal ob in Afrika, Asien oder Australien, würde es ohne die vielen Besucher aus der ganzen Welt doch gar nicht geben. Nicht-Reisen rettet die Welt nicht. Wir müssen andere, klügere Wege finden. Nachhaltig reisen und uns andernorts für den Umweltschutz engagieren.

REISEN MIT SINNEN: Was machst Du noch, außer Deine Flüge zu kompensieren?

Dirk Steffens: Ich investiere viel Zeit in meine ehrenamtliche Arbeit für den Umweltschutz. Als UN-Botschafter für Biodiversität, als WWF-Botschafter und mit unserer Stiftung BIODIVERSITY FOUNDATION. Die finanziert beispielsweise gerade einen Kinofilm, der das Artensterben thematisiert. Der Film soll auf der ganzen Welt gezeigt werden, dafür brauchen wir natürlich finanzielle Unterstützung. Wir möchten aber auch mit ganz konkreten Projekten besser über Umweltthemen informieren. So wollen wir an der deutschen Ostseeküste knapp vier Hektar Land kaufen. Bisher ist das ein richtiger Glyphosat-Acker, die Zahl der Brutvögel dort liegt momentan bei Null. Wir möchten die Fläche renaturieren und dabei wissenschaftlich untersuchen, wie schnell durch welche Maßnahmen wie viele heimische Vögel und wie viele Zugvogel-Arten angelockt werden können. Wir haben in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten über die Hälfte unserer Vögel verloren, das ist eine Katastrophe!


Kontakt

+49 (0)231 589792-0 info@reisenmitsinnen.de

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