Reisen mit Sinnen
09.08.2022

Die vier Hauptstädte von Litauen

Bewegte Geschichte in Kernavé, Trakai, Vilnius und Kaunas

Im Jahr 2022 befindet sich Litauen besonders im Blickfeld kulturinteressierter Reisender. Denn die Baltikumrepublik stellt mit Kaunas eine der drei Europäischen Kulturhauptstädte dieses Jahres. Dass Kaunas neben der Auszeichnung als Kulturhauptstadt mit dem Motto „Von der Zeitweiligen zur Modernen“ in früheren Zeiten auch tatsächlich die Kapitale des Landes war, ist vielen nicht präsent. Diesen Status teilt sie sich mit zwei weiteren litauischen Orten: Kernavė und Trakai, die beide heute trotz ihrer ehemaligen Bedeutung weniger als 5.000 Einwohner zählen. Spannende Ziele stellen die vier (Ex-)Hauptstädte von Litauen auf jeden Fall dar – allen voran die heutige: Vilnius, deren hauptsächlich barock geprägte Altstadt zu den größten Osteuropas zählt und zum UNESCO-Welterbe gehört.
 

Aussicht auf die roten Dächer von Vilnius
Die Altstadt von Vilnius
Eine archäologische Stätte in Litauen
Die archäologische Stätte von Kernavé

Kernavé: Die Älteste der vier Hauptstädte von Litauen

Laut Überlieferung gilt Kernavė als älteste der vier Hauptstädte von Litauen. Kaum zu glauben, dass der kleine 300-Seelen-Ort im Mittelalter eine feudale Stadt darstellte, die von fünf Wehrburgen geschützt wurde. Seit 2004 steht die archäologische Stätte Kernavė auf der Welterbeliste der UNESCO, obwohl von diesen historischen Bauten heute nur noch Hügel an ihren ehemaligen Standorten erhalten sind. Von diesen sogenannten Schüttbergen bieten sich weite Ausblicke in das Tal des Flusses Neris. Der größte gilt als ehemaliger Sitz des legendären Königs Mindaugas I, der fünf litauische Fürstentümer zu einem Staatswesen einte und dieses von 1238 bis 1263 regierte. Deshalb erhielt der Hügel den Namen „Thron des Mindaugas“. Zwischen den Schüttbergen befinden sich die Reste einer Siedlung, die in die Zeit 300/400 n. Chr. datiert.
 

Wasserburg Trakai aus der Vogelperspektive
Die Wasserburg Trakai

Trakai: Die Wehrhafte unter den vier Hauptstädten von Litauen

1316 löste Trakai Kernavė als Hauptstadt ab. Der wie Kernavė in einem 50 Kilometerradius von Vilnius entfernt liegende Ort blieb sieben Jahre lang die Hauptstadt des Großfürstentums Litauen. Allerdings sind aus dieser Zeit keine Gebäude erhalten. Sehenswert ist Trakai aufgrund seiner malerischen Lage zwischen drei Seen. Die auf einer Insel und einer Halbinsel gelegenen Burgen stellen den bedeutendsten Verteidigungskomplex Litauens dar. Auf der Halbinselburg findet heutzutage ein beliebtes Mittelalterfest statt, das die damalige Zeit auferstehen lässt. Als eine weitere Besonderheit Trakais gilt ein Viertel mit historischen Holzhäusern. Die einstöckigen Häuser stammen aus dem 18. Jahrhundert. Ebenfalls sehenswert ist die Basilika Mariä Heimsuchung, die der Großfürst Vytautas 1409 als Gemeindekirche gründete. Der ursprünglich gotische Bau erhielt nach mehreren Umbauten seine heute überwiegend barocke Erscheinungsweise. Er beherbergt die Gottesmutter von Trakai, eine wundertätige Ikone aus dem 15. Jahrhundert.
 

Vilnius

Vilnius: Die Langlebigste der vier Hauptstädte von Litauen

Auf Trakai folgte 1323 Vilnius. Das „Rom des Ostens“ – so benannt aufgrund seiner mehr als 50 Kirchen – gehört seit 1994 zum UNESCO-Welterbe, und auch den Kulturhauptstadttitel durfte es bereits tragen, 2009. Seine rund 3,6 Quadratkilometer messende Altstadt gehört zu den größten und besterhaltenen Europas. Über die Jahrhunderte hat es sich seine mittelalterliche Stadtstruktur bewahrt. Auch viele bedeutende Bauwerke aus der Gotik sowie den nachfolgenden Epochen Renaissance, Barock und Klassizismus blieben bis heute erhalten. Mit der 1579 gegründeten Universität zählt Vilnius zudem zu den ältesten Universitätsstädten Europas. Von der Burgruine des Hauptstadtbegründers Gediminas aus dem 14. Jahrhundert über das im 19. Jahrhundert rekonstruierte Großfürstliche Schloss aus der Renaissance und diverse Zeugnisse barocker Pracht wie die Kasimir-Kirche oder die Universität bis zu den zahlreichen Museen gibt es in der aktuellen Hauptstadt von Litauen viel zu sehen.
 

Kaunas: Die Zwischenzeitliche unter den vier Hauptstädten von Litauen

Nach der Besetzung Vilnius‘ 1920 durch polnische Truppen stieg die aktuelle Kulturhauptstadt Kaunas zwischenzeitlich zur Kapitale Litauens auf. Dies blieb sie für 20 Jahre, bis zur Schaffung der Litauischen Sowjetrepublik durch den Einmarsch der Roten Armee 1940, die erneut Vilnius zur Hauptstadt erklärte. An der Memel gelegen, bietet sich vom gegenüberliegenden Flussufer ein schöner Blick auf Kaunas‘ Altstadt, die viele gut erhaltene historische Bauwerke beherbergt. Den Rathausplatz, der Hauptplatz Kaunas‘, flankieren die Peter-und-Paul-Kathedrale, die Jesuitenkirche und -gymnasium sowie das namensgebende Rathaus. Das auf das 16. Jahrhundert zurückgehende Gebäude wird wegen seiner Eleganz und Farbe im Volksmund „Weißer Schwan“ genannt. Ebenfalls sehenswert ist das am Stadtrand gelegene Kloster Pažaislis, das mit seiner barocken Kirche zu den schönsten Sakralbauten Litauens gehört. Und 2022 erwarten Besucher in der diesjährigen Kulturhauptstadt zudem mehr als 1000 Veranstaltungen, darunter mehr als 40 Festivals, 60 Ausstellungen, 250 Konzerte und vieles mehr.
 

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