Reisebericht “Versteckter Inselarchipel”
26.7. bis 8.8.25 - von Anika Henkel und Florian Ringe
26.7.2025: Am Beginn unserer São-Tomé-Reise erwartet uns unsere Reiseleiterin Kathleen schon am Flughafen und nach einem kurzen Stopp im zentralen Hotel gehen wir in ein kleines Restaurant und essen Fisch und Huhn und Bananen-Pommes, Avocado, Bananenchips und Obst zum Nachtisch, die typischen Speisen, die uns auch in den nächsten Tagen immer wieder begegnen.
27.7.2025 Wanderung zur Lagune Amélia
Schon vor dem Frühstück erfrischen wir uns im kleinen Pool im Garten. Es ist bedeckt, sommerlich warm, aber nicht heiß. Sehr angenehm. Nach dem Frühstück gibt es eine Vorstellungsrunde in der Bar mit vielen Informationen.
Dann starten wir unsere erste Wanderung zunächst an Feldern vorbei, schließlich erreichen wir den Regenwald und erfahren einiges über die Baumriesen. Immer weiter schlängelt sich der Weg über Wurzeln mitunter steil und rutschig den Berg hinauf. Eine schweißtreibende Angelegenheit bei der hohen Luftfeuchtigkeit, zum Glück ist die Temperatur angenehm kühl hier oben auf über 1.000 Metern Höhe.
Zur Belohnung nach der ersten Tour essen wir in einem netten Restaurant mit tollem Blick über den Regenwald ein edles 4-Gänge-Menü mit zwar kleinen, aber sehr leckeren Portionen.
Im Dunkeln geht es an der Küste entlang zur sehr schönen Mucumbli Eco-Lodge, wo wir die nächsten Tage verbringen.
28.7.2025 Radtour an der Westküste
Heute radeln wir die kurvige Straße an der Westküste entlang nach Süden bergauf und bergab. Nach einem ersten Stopp an der Bucht, an der die ersten portugiesischen Siedler die Insel betraten, erreichen wir die Kakaoplantage Roça Diogo Vaz, wo wir eine Führung erhalten. Wir sehen den gesamten Herstellungsprozess von der Baumschule über die Ernte und die Verarbeitung mit uralten Maschinen. Alles wirkt wie ein Freilichtmuseum. Wir probieren auch die frischen Kakaofrüchte und die getrockneten Bohnen.
Nebenan sehen wir den Prozess der Zuckerrohrverarbeitung von der Presse über die Gärung zur Brennerei. Auch hier ist alles sehr museal im Hinterhof zwischen Hühnern, Ziegen und Katzen.
Bei der Rückfahrt kehren wir zum Essen in der Roça Monte Forte ein. Von der Terrasse haben wir einen tollen Blick über die ganze Küste. Zurück in der Lodge erfrischt das Bad im Meer, das direkt unterhalb der Steilküste liegt.
29.7.2025 Plantagenwanderung
Beim Landungssteg der alten Plantage Ribeira Palma starten wir unsere heutige Wanderung den Berg hinauf zum oberen Teil der Plantage. 400 Meter geht es insgesamt hinauf bei starkem Sonnenschein, wir hangeln uns von Schatten zu Schatten der üppigen Vegetation. Endlich ist das obere Dorf erreicht, wo schon kühle Getränke auf uns warten. Auf dem Feuer werden Brotfrüchte gegart, wir sitzen unter dem großen Strandmandelbaum und essen Strandmandeln.
Dann wandern wir einen Trampelpfad durch die Kakaoplantagen zum Nachbardorf Rosema und den Berg auf der anderen Seite wieder hinab nach Neves. In Neves besuchen wir ein Projekt, das von drei Ordensschwestern geleitet wird. Vom Kindergarten über eine Schule und eine Nähwerkstatt bis hin zu einem Altenheim wird hier für über 2.000 Menschen gesorgt.
30.7.2025 São-Tomé-Hauptstadt
Zurück in der Hauptstadt besuchen wir den Markt. Hier gibt es alles, was die Einheimischen zum Leben brauchen. In der Fischmarkthalle läuft laute Musik. Als eine Mitreisende anfängt zu tanzen, wird sie gleich von einer kräftigen Verkäuferin zum Tanz mitgerissen.
Der Italiener Claudio Corallo lebt schon viele Jahre hier und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die beste Schokolade der Welt herzustellen. So berichtet er uns, wie in jeder Kakaobohne von Hand ein kleiner Teil entfernt wird, damit der Kakao nicht so bitter schmeckt, obwohl die Schokolade zu 100 Prozent aus Kakao besteht. Es gibt aber auch Sorten mit geringerem Kakaoanteil, die wir alle probieren. Schon beachtlich, mit wie viel Leidenschaft und neuen Ideen der schon etwas ältere Herr seine Schokoladenphilosophie umsetzt.
31.7.2025 Príncipe-Rundfahrt
Wir fliegen mit einer Propellermaschine mit 18 Plätzen zur Nachbarinsel Príncipe. Nach 30 Minuten landen wir auch schon wieder. Wir fahren in die kleinste Hauptstadt der Welt. Wir sehen uns die weiß-blaue Kirche an und gehen die Hauptstraße entlang zum Friedhof und dem Fluss mit Schlammspringern. Die verfallenen Häuser künden von einer blühenden Kolonialzeit, zeigen aber auch, wie die Witterung an den Häusern nagt und die Natur sich alles zurückerobert.
Wir fahren ins Inselinnere über Kopfsteinstraßen. Alles ist sehr grün und sauber. Durch den Dschungel und ein kleines Dorf gehen wir zu einem Aussichtspunkt mit Blick über einen Teil der grünen Insel mit den typischen Bergen, wir hören und sehen Graupapageien. Im Dorf sehen wir, wie Kokosöl hergestellt wird mit Maschinen, die hauptsächlich aus Holz bestehen.
1.8.2025 Regenwalddusche und Traumstrand
Mit drei Autos geht es ins Inselinnere. Bei der Plantage des Chocolatiers Claudio Corallo verlassen wir die Autos und stapfen durch den Matsch in den Urwald hinein. Um uns herum die Geräusche des Dschungels, uns begegnen auf der Wanderung keine weiteren Wanderer. Das Ziel ist der große Pipi-Wasserfall, der sich plötzlich vor uns auftut. Aus 30 Metern Höhe fällt das Wasser in einen kleinen See, der uns zum Baden einlädt. Ein großartiges Erlebnis, direkt unter dem Wasserfall zu schwimmen. Eine echte Regenwalddusche.
Am Nachmittag fahren wir zum Bom-Bom-Strand, einem der schönsten der Insel. Der Strand dort ist tatsächlich wunderschön: Türkises Wasser, weicher, heller Sand und Palmen. Vom Strand aus können wir auch gut schnorcheln und sehen viele bunte Fische. Zum Sonnenuntergang trinken wir in der Strandbar Cocktails.
Im Zentrum der kleinen Hauptstadt wird der Beginn des Festmonats gefeiert. Die ganze Stadt ist auf den Beinen, es gibt Live-Musik mit Tanz, Fress- und Getränkebuden. Wir stürzen uns ins Getümmel und tanzen zumindest auf der Stelle ein wenig mit.
2.8.2025 Strand und Regen
Wir fahren in den Norden, wo wir mit bunten Regenhüllen mehr oder weniger geschützt auf breiten Wirtschaftswegen durch den Dschungel marschieren. Wir erreichen schließlich den Aussichtspunkt über dem Praia Banana, der wohl berühmteste Strand der Insel. Hier wurde angeblich die alte Bacardi-Werbung gedreht. Nach einem letzten Abstieg kommen wir zu dem menschenleeren Strand. Unter überdachten Pavillons ist schon das Picknick vorbereitet. Wir gehen zunächst Schnorcheln, hinter der Brandung an den schwarzen Felsen tummeln sich ein paar bunte Fische.
Am Abend macht ein Teil der Gruppe noch Party in der Dorfkneipe in der Nachbarschaft des Hotels mit den Einheimischen.
3.8.2025 Von Príncipé an São Tomés Ostküste
Morgens fliegen wir zurück nach São Tomé. Wir fahren die Ostküste entlang von einem Fischerdorf zum nächsten, bis wir die Roça Agua Izé erreichen. Am höchsten Punkt steht das alte Hospital und rottet vor sich hin. Als wir das Gebäude verlassen, kommt uns der selbsternannte König mit rot-schwarzer Robe und goldener Krone entgegen.
Unten im Dorf stehen die Sanzalas: große Arbeiterhäuser, in denen es keine eigenen Zimmerdecken gibt, damit die Luft zirkuliert. In einem der Zimmer treffen wir eine resolute 91-jährige Frau, die erzählt, wie gut es unter den Portugiesen trotz der harten Plantagenarbeit war.
Den Rest der Strecke schlängelt sich die Straße an der grünen Küste entlang bis zur Roça São João dos Angolares. Wir logieren fast alle im Haupthaus der Plantage von 1905. Jedes Zimmer sieht anders aus und ist etwas anders ausgestattet, aber alle im alten kolonialen Stil. Wir treffen uns alle auf der großen Terrasse mit Blick über die Bucht und den kleinen Ort, der im Nebel der Regenwolken verschwindet. Wir sitzen in Liegestühlen und Hängematten und lassen uns die leckere Schokolade schmecken. Draußen prasselt der Regen, um uns flattern Fledermäuse. Wie geht es uns gut!
4.8.2025 São João dos Angolares
Wir wandern einen schmalen Trampelpfad von unserer Roça aus zusammen mit dem Sohn des ehemaligen Plantagenaufsehers. Dabei erklärt er uns auch viele Bäume und gegen welches Leiden die Rinde oder die Blätter hilfreich sind. Auch probieren wir Kaffeefrüchte und finden viele große hübsche Schneckenhäuser. Riesige Bambushaine stehen am Wegesrand. Nun geht es steil den Berg hinauf zu einer kleinen Plantage.
Im Dorf São João essen wir oberhalb des Strandes zwischen riesigen moosbewachsenen Felsen sehr stimmungsvoll in einem kleinen Restaurant mehrere sehr leckere Vorspeisen und Fisch. Wir besuchen im Dorf eine neue gegründete Musikschule, in der die Kinder und Jugendlichen Instrumente selber bauen und dadurch die Traditionen ihrer Musik aufrechterhalten. Als einige uns die Instrumente vorspielen, kommen immer mehr Dorfbewohner hinzu und spielen und singen mit.
Das Highlight am Abend ist die Musikgruppe, fünf Männer an Trommeln und Rasseln und vier Frauen singen und tanzen. Wir machen alle mit. Wir haben viel Spaß!
5.8.2025 Kochkurs und Fahrt in den Süden
So wie jedes Abendessen war auch das heutige Frühstück auf der großen Terrasse sehr lecker und vielseitig, weil der Besitzer des Hotels ein bekannter Fernsehkoch in Portugal ist. Heute haben wir bei ihm einen Kurs. Wir werden mit Kopftuch und Schürze ausgestattet, waschen uns die Hände und werden den Kochschülern zugeteilt, die uns zeigen, wie wir welches Gemüse zu schnippeln, stampfen und zu hacken haben – immer unter Aufsicht des großen Meisters: Oliven, Ingwer, Vanille, Bananen, Papayakerne, Erdnüsse, Süßkartoffeln, Orangen usw. Jede(r) hat eine eigene Aufgabe. Dabei erzählt der Chef über seine Leidenschaft beim Kochen. Am Tisch gibt es dann Teller mit vier kleinen Köstlichkeiten, die raffiniert kombinierte Geschmackserlebnisse liefern. Alle sagen dazu, was sie selbst gemacht haben. Alles sehr köstlich!
Bei Sonnenschein verlassen wir das Gutshaus und fahren mit drei Geländewagen die Küstenstraße weiter gen Süden. Auch hier ist alles sehr grün und hügelig. Fotostopps legen wir bei der berühmten Basaltnadel Pico Cão Grande ein, die wie ein riesiger Finger 800 Meter aus der Landschaft herausragt, am oberen Ende oft von Wolken verhangen, wie ein Fantasy-Turm. Wie Dinosaurier fliegen hier Schwarzmilane um den Berg herum. Eine surreale Landschaft.
Die Fahrt führt bis zum kleinen Ort Porto Allegre. Von dort führt eine Sandpiste zu unserer Hotelanlage direkt am Meer. Wir wohnen in kleinen Stelzenhäusern direkt am schönen Sandstrand, gegenüber liegt die Äquatorinsel, die wir morgen besuchen.
6.8.2025 Rolas: auf dem Äquator
Direkt vom Strand vor dem Restaurant fahren wir mit zwei Fischerbooten etwa 20 Minuten auf die vorgelagerte Äquatorinsel Rolas. Nach der Anlandung ziehen wir die Wanderschuhe an und werden mit der lokalen Reiseleiterin Augusta bekannt gemacht, die uns in drei Stunden um die Insel führt. Zunächst gehen wir durch das Dorf mit Kirche und Fußballplatz, wo die 175 Einwohner leben. Wir überqueren den GPS-Äquator. Etwas falsch daneben steht das Äquator-Denkmal, eine geflieste Weltkarte mit einer Stele mit Globus obendrauf. Hier sind wir dem Mittelpunkt von Äquator und Nullmeridian am nächsten.
An der gegenüberliegenden Küste spritzt das Meerwasser unverhofft wie eine Fontäne aus einem Loch und spritzt alle nass, die in der falschen Windrichtung stehen. Gleich daneben blicken wir von oben auf einen traumhaften Sandstrand mit türkisfarbenem Wasser, die Wellen brechen an den schwarzen Lavafelsen, dazu gibt es frische Kokosnuss.
An der Steilküste entlang gehen wir einen Höhenweg mit vielen Ausblicken auf weitere schöne Buchten und Palmen, die sich am Felsen festkrallen. Eine Bucht hat einen hellen Strand, auf dem der Schatten einer Palme zu sehen ist, krabbelnde Krebse, türkises Wasser, aber auch weitlaufende Wellen. Traumhaft!
Am Strand Praia Café direkt am Äquator gibt es eine Badegelegenheit in den Wellen. In der Zwischenzeit wird ein Mittagessen an Tischen vorbereitet mit frischem Fisch.
7.8.2025 Mangroven, Porto Allegre und Gischt
Wir werden zu einem Steg gefahren, wo wir in zwei Boote steigen und durch das Brackwasser der Mangroven gerudert werden. Alles im schön gemächlichen “leve-leve”*. Die großen Luftwurzeln bilden ein verästeltes Labyrinth.
Wir machen uns zu zweit auf den Weg. Der nächste Ort ist Porto Allegre. Hier ist richtig was los. Die Fischer flicken ihre Netze, bereiten die Angelhaken vor. Kaum biegen wir von der Hauptstraße ab, werden wir von Kindern umringt, die unbedingt fotografiert werden möchten. Schließlich haben wir beide mehrere Kinder an den Händen und werden durchs Dorf gezogen, vorbei an den Ruinen der alten Plantage.
Die Wellen sind heute sehr hoch, und der Stand ist komplett überspült. Besonders deutlich wird dies am benachbarten Strand Praia Picina. An den Lavafelsen brechen die Wellen, die Gischt spritzt meterhoch, bevor das Wasser über die großen Wasserfälle wieder abläuft. Alles leuchtet in karibischen Farben.
Nach dem Abendessen organisiert Kathleen eine Abschiedsparty auf der Terrasse mit Tanz.
(* “immer mit der Ruhe” - Anm. von REISEN MIT SINNEN)
8.8.2025 Vanille, Schokolade und Rückflug
Am letzten Tag machen wir noch einen Spaziergang zur Ökoplantage von Bastien, der aus seinen Früchten Gin und Liköre brennt. Dann machen wir uns auf den Rückweg in den Norden. Es ist gar nicht so weit, aber die Kurven und Straßenverhältnisse lassen kein hohes Tempo zu.
In der Hauptstadt sehen wir uns eine Vanilleproduktion an. Eine Französin erklärt, wie sie die Pflanzen verarbeitet. Es ist ein einjähriger Prozess: von der Bestäubung, Ernte, Fermentierung, Trocknung, Massage und Lagerung.
Unsere letzten Dobras investieren wir in Schokolade, bevor wir den Rückflug antreten. Ein sehr schöner, abwechslungsreicher Urlaub mit vielen bleibenden Erinnerungen geht leider zu Ende.
Wir bedanken und bei Anika Henkel und Florian Ringe für diesen ausführlichen und atmosphärischen Reisebericht sowie die tollen Fotos!
Hier geht's zum versteckten Inselarchipel:
Bei Fragen helfen wir Ihnen gerne weiter – melden Sie sich einfach direkt bei unseren Reise-Experten, telefonisch oder per E-Mail.
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